Mietexplosion neu grösste Sorge der Zürcher Bevölkerung

Die am Freitag veröffentlichte Bevölkerungsbefragung 2023 der Stadt Zürich zeigt, dass das Thema Wohnen das Thema Verkehr erstmals an der Spitze der grössten Probleme verdrängt. 82 Prozent der Bevölkerung wünschen sich eine noch aktivere Wohnbaupolitik.

Die Mieten in der Stadt Zürich haben sich in den letzten 20 Jahren fast verdoppelt, Immobilienkonzerne, Banken und dubiose AGs sind seit Sommer 2023 die Nummer 1 auf dem Zürcher Wohnungsmarkt. «Die Verhältnisse auf dem Wohnungsmarkt entwickeln sich in die völlig falsche Richtung», sagt Florian Utz, Co-Fraktionspräsident der SP-Gemeinderatsfraktion. Entsprechend ist es keine Überraschung, dass das Thema Wohnen neu das grösste Problem aus Sicht der Stadtzürcher Bevölkerung ist.

Immobilienkonzerne zurückdrängen statt noch höhere Mieten

«Es ist skandalös, dass Mitte, FDP und SVP gemeinsam mit der Immobilienlobby in dieser angespannten Situation das Mietrecht auf Bundesebene weiter aufweichen wollen», sagt Lisa Diggelmann, Co-Fraktionspräsidentin der SP-Gemeinderatsfraktion. «Statt den Immobilienkonzernen noch höhere Mieten zu erlauben, sollten die Städte endlich die Kompetenzen erhalten, um den Wohnungsmarkt in den Griff zu bekommen.» So fordert die SP ein Vorkaufsrecht für die Gemeinden zur Förderung von bezahlbarem Wohnraum sowie Wohnschutz-Bestimmungen, um die starke Zunahme von Leerkündigungen zu stoppen.

 

Die Bevölkerungsbefragung zeigt auch, dass der Stadtrat noch offensiver vorgehen soll, um bezahlbaren Wohnraum zu sichern und neue Wohnungen zu schaffen: So finden 82 Prozent der Bevölkerung, dass viel zu wenig oder zu wenig getan wird, um gemeinnützigen Wohnraum zu fördern. «Die SP begrüsst, dass die Umsetzung ihrer langjährigen Forderung, mehr Wohnraum zu erwerben statt alles den Immobilienkonzernen zu überlassen, dieses Jahr angelaufen ist», sagt Oliver Heimgartner, Co-Präsident der SP Stadt Zürich. «In den nächsten Jahren muss die Stadt aber noch deutlich offensiver vorgehen, um die Übernahme der Stadt Zürich durch Immobilienkonzerne zu stoppen.»

 

Bedenklich ist in diesem Zusammenhang auch, dass die Zufriedenheit mit der Entwicklung der Stadt Zürich in den letzten Jahren konstant abnahm. Liv Mahrer, Co-Präsidentin der SP Stadt Zürich, sagt dazu: «Die Befragung zeigt, dass immer noch ein Grossteil der Bevölkerung grundsätzlich mit der Entwicklung der Stadt Zürich zufrieden ist. Doch die hohen Lebenshaltungskosten werden für immer mehr Leute ein Problem. Wir müssen sicherstellen, dass niemand aus unserer Stadt verdrängt wird.»

Diskriminierung ist inakzeptabel

Auf Forderung von SP und Grünen hat die diesjährige Bevölkerungsbefragung zudem erhoben, wie hoch der Anteil der Bevölkerung ist, der in der Stadt Zürich diskriminierende Erfahrungen macht. «Dass ein Fünftel der Bevölkerung im letzten Jahr im öffentlichen Raum oder im Berufsalltag aufgrund ihrer Nationalität, ihrer Hautfarbe oder ihres Geschlechts diskriminiert wurden, ist inakzeptabel», sagt Lisa Diggelmann, Co-Fraktionspräsidentin. «Wir stehen ein für eine Stadt, in der es für alle Platz hat und niemand ausgegrenzt wird.» Dass viele der Betroffenen nicht wussten, wohin sie sich wenden können, ist ebenfalls ein Problem. Die Information und Unterstützung muss verbessert werden.